Archive for März, 2011

Neuseeland – Paradies am anderen Ende der Welt oder das katastrophale Ende einer Traumreise (Teil I: Nordinsel)

März 1st, 2011

Prolog

Als ich Kind war, fragte ich – wie viele Sprösslinge auch – meinem Vater ein Loch in den Bauch. So wollte ich unter anderem wissen, wo man hinkäme, wenn wir hier, wo wir gerade stehen, ein tiefes, tiefes Loch in die Erde bohren würden? Er überlegte kurz, ging darauf mit mir zu unserem Globus und zeigte auf Neuseeland. Unvorstellbar für mich – zwei Inseln genau am anderen Ende der Welt…

So reifte in mir der Wunsch, dieses Traumziel einmal kennen zu lernen. Jahrzehnte später sollte dieser Wunsch in Erfüllung gehen. Wir nahmen zwar nicht den schwierigen und unbequemen Weg durch das Innere der Erde, sondern flogen von Frankfurt über Dubai, Sydney nach Auckland. Ein besonders glücklicher Umstand dabei: den längsten Teil des Fluges absolvierten wir im Superjumbo A380 der Emirates Airline.

 

 Superjumbo A380

 

Karte Nordinsel – Stationen unserer Reise

Nordinsel auf einer größeren Karte anzeigen

 

Auckland – Übernahme und Taufe des Camper-Van

Trotz allem erdenklichen Komfort und Service war es „fünf vor schrecklich“ als wir den Flieger in Auckland endlich verlassen konnten. Die Airline hatte uns offenbar eine Begleitung mit an die Hand gegeben. Eine sehr unangenehme Person und obendrein mit einem komischen Namen: Jetlag. Überall wo wir hingingen, mischte sich dieser Kerl ein und sorgte für Verwirrung. Thank goodness, nach einigen Tagen konnten wir den ungeliebten Schatten abschütteln.

Abgeholt vom Airport stellte uns der  Auto-Vermieter unseren VW-Camper vor. Nach der recht übersichtlichen Einweisung tauften wir ihn auf den Namen Herbert. Der lange Herbert (knapp 7 m) ist ein gutmütiger Diesel, der unbedingt links bedient werden will.  Die ersten 10 km waren schon gewöhnungsbedürftig, alles auf der anderen Seite – wie das Land eben  auch. Links zu fahren ist anfangs schon komisch, man denkt irgendwann stößt man mit irgendwem zusammen. Es dauerte jedoch nur kurze Zeit -  Herbert und ich wurden Freunde. 

Als wir des späten Abends eine Bleibe suchten, landeten wir auf einem Parkplatz in Manukau. Ein Camper-Verbotsschild war nirgends zu erblicken, also dachten wir: feine Sache, da kann man doch gleich in der ersten Nacht ein paar Dollars sparen. Als wir das Gelände nochmals checkten, erblickten wir eine junge Frau auf einem Stuhl mitten auf dem Parkplatz sitzend. Ungewöhnlich, dachten wir. Ich sprach sie an und fragte, ob man sich hier für die Nacht einrichten könnte. Ihre spontane Antwort war: „The place is not save“.  Also sahen wir uns woanders um und fanden einen anderen Parkplatz etwas weiter. Als wir Herbert in seine Ruheposition gebracht hatten, kam ein junger Mann mit seinem Auto angeprescht und fragte mich, ob ich denn eine junge Frau gesehen hätte. Dabei zeichnete er mit seinen Händen eine gewaltige Kurve in Höhe seiner Brust. Da fiel bei mir der Groschen und ich dachte an die junge Frau auf dem Parkplatz zuvor, die ich eher in Bayern vermutet hätte, soviel ‚Holz hatte sie vor der Hütt’n‘. Das Busenwunder war wohl im horizontalen Gewerbe zu Hause und unser Herbert sicherlich für sie nur geschäftsstörend. Wie die Länder sich doch gleichen…

 

Herbert - unser langer VW-Camper-Van

 

Coromandel Peninsula –  Naturschönheiten auf einer Halbinsel

Den Kiwis sagt man eine gewisse Portion Humor nach. Dass das der Wahrheit entspricht, konnten wir auf dem Weg von Auckland nach Coromandel am eigenen Leibe erleben. Die steile und teilweise sehr enge, aber eindrucksvolle Küstenstraße verlangt dem Camper-Van-Fahrer schon einiges ab, noch dazu auf der ungewohnten linken Seite. Da stellen doch diese Spaßvögel  tatsächlich Geschwindigkeitsbeschränkungen von 100km/h auf und das sogar vor Kurven. Man will es einfach nicht glauben. Zu ihrer Entlastung sei gesagt, direkt an der Kurve gibt es eine Richtgeschwindigkeitsangabe, mit der man sicher die Problemzone durchfahren kann. Dennoch in Schilder-Germany wäre das wohl unvorstellbar.

Der Höhepunkt dieses Tages war die Fahrt mit der „Driving Creek Railway“. Da hatte doch ein Kiwi namens Barry Brickell eine Vision und wollte eigentlich für seine Töpferei ein Transportmittel schaffen. Und im Laufe der Jahre wurde daraus eine Schmalspur-Schienenstrecke von 3 km Länge, die längst zur Attraktion avancierte. Die vielen Besucher fahren in hübschen Mini-Waggons durch den dichten Regenwald und sind fasziniert von den mit Ton-Skulpturen geschmückten Tunnels und Stationen. Natürlich holpern sie auch über Holzbrücken, die von weitem aus betrachtet eher eine waghalsige Konstruktion vermuten lassen. Sogar an eine Spirale wurde gedacht. Oben angekommen haben sie einen herrlichen Ausblick über den bizarren Regenwald und die nähere Umgebung. Für uns ein Erlebnis der unvergesslichen Art. Übrigens habe ich die Railway-Tour bereits von Deutschland per e-mail geordert – in der Hochsaison empfehlenswert.

 

Driving Creek Railway 

 

Hahei und Hot Water Beach – filmreifes Bühnenbild zum einen und ein Strand mit Fußbodenheizung zum anderen

Wer diese Natur-Highlights genießen möchte, sollte eines unbedingt beachten: die Gezeiten.  Wir sind etwa  drei Stunden vor der Ebbe – wir hatten die Tide aus dem Internet gezogen –  vom Parkplatz des kleinen Badeortes Hahei den wunderschönen Weg (45 Min.) zur Cathedral Cove gegangen. Unten am feinkörnigen weißen Strand angekommen fällt einem die Kinnlade förmlich nach unten, so fasziniert das Bild. Eine Öffnung im Fels ähnlich einer gotischen Kirche lässt den Blick zu einem zweiten Strand schweifen, an dem ein freistehender großer Kalksandsteinfels aus dem Wasser ragt.

 

Cathedral Cove

 

Umgeben von türkis blauem Wasser verleidet er jeden Besucher sein Objektiv zu zücken. Grandios.  Das Schwimmen vor dieser Kulisse macht einfach doppelt so viel Spaß und man fühlt sich in die Südsee versetzt.

 

Solitär-Fels an der Cathedral Cove 

Keine  8 km fährt man vom Parkplatz in Hahei zum Hot Water Beach. Hier graben die Leute mit ausgeliehenen kleinen Spaten flache Kuhlen in den Sandstrand und heißes Thermal-Wasser strömt von unten hinein – einfacher gesagt: man suhlt sich in einer Naturbadewanne und kann die Temperatur mit Ozean-Wasser plus heißer Quelle regeln. Für uns kein Angebot, denn bei 28°C Außentemperatur zogen wir einen Sprung in den Pazifik, der hier mit echten Wellenkrachern daher kommt, vor. 

 

 Hot Water Beach - Fußbodenheizung gratis

 

Waitomo Caves – Romantik pur

Einen der fantastischsten Augenblicke unserer Reise erlebten wir während der Spellbound-Tour in Waitomo. Leute haltet euch fest. In einem von einem Guide per Seil gezogenen Boot durchquerten wir eine Höhle. Anfangs war es stockdunkel, doch plötzlich, als hätte jemand den Lichtschalter betätigt, ging über uns die Milchstraße am Firmament auf. Millionen von Glühwürmchen hingen an den Felsendecken und strahlten wie Sterne auf uns nieder. Fantastisch, Du glaubst, in deinem eigenen Traum mitzuspielen. Männer, wenn ihr eure Angebetete überreden wollt, euch für immer im Leben zu begleiten, dann geht nach New Zealand in die Glowworm Caves und macht ihr dort unter dem funkelnden Sternenhimmel euren Antrag. Ihr könnt gewiss sein, sie liegt euch für immer in den Armen, so hat sie die Romantik in ihren Bann gezogen.

 

Waitomo Caves - Glowworms leuchten

 

Spaß beiseite, der normale Reisende fragt sich, wie geht das hier eigentlich alles und denkt vielleicht an unsere Glühwürmchen in lauen Sommernächten. Diese schwirren leuchtend mit dem Ziel einen Partner zu finden, während jene ca. 9 Monate fixiert für ihr Futter (Insekten) strahlen. Dort spielt also der Sex die tragende Rolle, hier der Hunger. Je mehr sie Knast schieben, umso stärker ihre Leuchtkraft. Die Insekten, die immer zum Licht streben, verfangen sich letztendlich in der Milkyway in einem Gewirr von langen klebrigen Fäden. Der Hobbyfotograf hat da ein Problem, denn Licht vermindert schlagartig ihre Leuchtkraft und versetzt die mundlosen Glowworms in Stress. Also unbedingt Blitz aus!

 

Waitomo Caves - Skelettreste

 

Den Abend am Nationalfeiertag Neuseelands (6.2.11) ließen wir natürlich romantisch in einem Restaurant bei Lamb und neuseeländischem Wein ausklingen. 

 

Rotorua – das alte Empire lasst grüßen

Eigentlich stach uns dieser Ort nicht unbedingt ins Auge, hat er doch zwei Gesichter. Das Eine –  eher ein gesichtsloses Zentrum mit den vielen Ladenstraßen wird nach Einkaufsschluss menschenleer. Man klappt sozusagen die Bordsteinkanten hoch. Das Andere liegt etwas abseits des Zentrums und erinnert an die Kolonialzeit: Gouvernment Garden. Mit den Rotoruas Tudor Towers als Blickfang weist der Ort auf den einstigen Kurbetrieb im noblen Kolonialstil hin. Innen fühlt man sich ins Jahr 1911 zurück versetzt. Man kann nur sagen: elegant und nobel. Jetzt ist dort ein Museum untergebracht. Man offeriert unter anderem  Maori-Artikel, aber die Preise dafür sind wahrlich gepfeffert. Das scheint auf das Toilettenpapier in den öffentlichen Bedürfnisanstalten Neuseelands nicht zu zutreffen, denn das ist dünner als Blattgold.

 

Rotorua - Museum

 

Wai-O-Tapu Termal Wonderland – It’s smelly!

Heute erwachten wir an einem idyllischen See gegenüber dem sagenumwogenen Mt. Terawera, der 1886 richtig Ärger machte, explodierte  und die Landschaft nachhaltig veränderte. Im Moment scheint er zu schlafen, auch wir genießen die Ruhe am Lake.

Was haben die ehemalige DDR und Neuseeland gemeinsam? – In einigen Teilen beider Länder stinkt es gewaltig. War im Osten Deutschlands der Gestank industrielles Programm der SED-Genossen, so ist dieses jüngste  Geothermalgebiet  mit dem Ausbruch des Mt. Tarawera naturellen Ursprungs. Das Wai-O-Taupu Thermal Wonderland – wohl das am meisten besuchte –  strahlt förmlich in vielen Farben. Das Gebiet ist übersät mit kollabierten Kratern, heißen und kalten Seen sowie dampfenden Erdspalten. Der bekannteste und größte Teich trägt den Namen eines französischen Nobelgetränks. Kohlendioxid sorgt bei einer Temperatur von 74°C für aufsteigende Perlen. Das mineralhaltige Wasser des Champagne Pools enthält Gold, Silber, Arsen, Quecksilber, Schwefel und Antimon. Die Farben sind überwältigend und uns irgendwie nicht alltäglich. Das gilt auch für die Vögel im Thermalgebiet, die nicht wie bei uns zu Hause den ganzen Tag auf ihren  Eiern rumsitzen –  nein, sie lassen brüten.

 

Rororua - Champagne Pool

 

Außerhalb des eigentlichen Wonderlands liegt ein Geysir, der eine direkte Verbindung zur Atomuhr haben muss, denn pünktlich 10:15 Uhr eines jeden Tages spuckt er eine Fontäne von ca. 20 m in die Luft.  Lady Knox, wohl mittlerweile in die Jahre gekommen, braucht dazu allerdings ein Hilfsmittel, um die vielen Besucher glücklich zu machen: eine Packung Seifenpulver…

 

Rotorua - Geysir Lady Knox

 

Lake Taupo – ein Paradies für Angler

Den größten Binnensee Neuseelands haben wir vor Augen, als wir nördlich in Taupo einfahren. Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite und wir genießen den Anblick. Golf und vor allem das Angeln auf Forellen sind hier populär. Ich kaufte mir eine Tageslizenz und wollte die schmackhaften Trouts (Forellen) auf ihre Schuppen legen. Pustekuchen. Offenbar hatte ich runde Haken angeknüpft. Keine einzige ließ sich zu einem Landspaziergang überreden. Dabei steht in keinem Restaurant Forelle auf der Speisekarte, denn gewerbliches Fischen ist hier nicht erlaubt. Eigentlich ein Paradies für Angler. Da kann ich nur Konfuzius zustimmen, der da sagte: “ Der Mensch hat dreierlei Wege, klug zu handeln: erstens durch Nachdenken, das ist der edelste, zweitens durch Nachahmen, das ist der leichteste und drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste.“ Ja, es ist bitter, denn Angeln in den norwegischen Fjorden ist offenbar eine völlig andere Geschichte… Also freute ich mich über Chicken mit Reis, denn Regine hatte offenbar mit meinem Misserfolg gerechnet.

  

Neuseeländischer Trauerschwan 

 

Tongariro National Park – Skyline Walk

Heute stand der erste National Park Neuseelands, der Tongariro NP  – oder für die Fans von ‚Herr der Ringe‘ als das düstere Reich Mordor bekannt – auf dem Programm. Im NP findet der weltweit bekannte Tongariro Crossing statt. Wir waren spät dran und eher nicht fit genug, um uns hier einzuschreiben, deshalb  entschieden wir uns für die Skyline Rute. Auch anstrengend, dafür wird man oben (ca. 2600m) mit einem überwältigenden Blick belohnt.

Trotz der anstrengenden Tour fuhren wir noch bis Wanganui (Westcoast) weiter und fanden direkt am Meer auf einer Düne einen kostenlosen Stellplatz. Herbert kurzerhand geparkt, Handbremse angezogen und dann „Gute Nacht“. Mensch Meier, sind wir platt gewesen.

 

Tongariro NP - Skyline Walk

 

Wellington – die quirlige Hauptstadt Neuseelands

Die Sonne schien Herbert ins Gesicht als wir unsere Augen öffneten und direkt auf den Ozean blickten. Die ersten Surfer zogen in Richtung Brandung und wir ließen den Tag ruhig angehen und spazierten an der Tasman Sea entlang. Man muss auch mal die Seele baumeln lassen, denn rund 200 km täglich Herbert zu steuern, zehrte schon an den Kräften.

Überrascht waren wir von Wellington. Wunderschön gelegen, die Innenstadt so konzentriert wie meine Heimatstadt und absolut quirlig. Künstler und die Jugend geben der Hauptstadt ein Flair zum Verlieben. Moderne und Romantik treffen hier aufeinander. Wir trafen am Abend – Herbert wollte unbedingt wieder direkt an den Strand, diesmal die Skyline beobachten –  Marie, eine Studentin aus Sachsen. Sie legt ein Break zwischen Bachelor und Master für acht Monate ein und bediente uns in „Fishermann’s Table“.  Sie empfahl uns Tarakihi-Fisch und traf damit ins Schwarze.

Wenn wir früher diese Möglichkeiten gehabt hätten, wir wären auch ins  Ausland gegangen. Leider konnten wir nur davon träumen – die Realität war die Mauer…  

Wer die Stadt von oben sehen will, sollte die Kabelbahn nutzen. Man hat dann eine grandiose Rundumsicht und sieht eine hypermoderne, etwas exzentrische Stadt zwischen den Bergen und dem Meer.

 

Wellington - Hauptstadt mit Kabelbahn

 

weiter mit  Teil II:  Südinsel

Neuseeland – Paradies am anderen Ende der Welt oder das katastrophale Ende einer Traumreise (Teil II: Südinsel)

März 1st, 2011

Südinsel – Stationen unserer Reise 

Südinsel auf einer größeren Karte anzeigen

 

Cook Strait – Überfahrt von der Nord- zur Südinsel

Nur gut, dass wir gestern vorsichtshalber zur Fähre gingen, denn es wäre die falsche gewesen. Es gibt nämlich zwei Unternehmen, die die 96 km zwischen den beiden Inseln bedienen. Unsere, die „Interislander“,  geht etwa 3 km nördlich in der Nähe des Stadions ab.

Den nächsten Tag eingecheckt – gebucht hatten wir bereits von Deutschland aus – verabschiedeten wir uns von der hübschen Skyline Wellingtons.  Für mich als Stadtmensch die Stadt Neuseelands, wo ich am ehesten mein Zelt aufschlagen würde.

Außergewöhnlich ruhig verlief die sonst raue Passage, die 1770 James Cook durchsegelte. Der befürchtete Tanz auf den Wellen blieb diesmal aus. Ich hatte also umsonst die Tüten geordert. Nur das Wetter zeigte sich heute leider von seiner trüben Seite. Die Fähre, in keiner Weise vergleichbar mit Norwegens ColorLine, durchläuft die Cook Strait und  begeistert den Passagier durch die vielen Inseln und schmalen Passagen. Der Norwegenkenner erinnert sich sofort an den Oslofjord, nur hier wartet man keine 10 Jahre auf einen Bootsanlegeplatz, denn die Natur ist fast unberührt.

 

Cook Strait - Verbindung beider Inseln

 

Kaikoura – Wale und Delphine

05:30 Uhr riss uns eine Stimme aus dem Schlaf. Es war die aufdringliche Dame vom Handy. Ach ja, wir hatten doch tags zuvor die Whale Watch Tour fix gemacht. Schnell Herberts Nachtlager umgeräumt und ab zum Duschen. Als wir wie vereinbart 06:45 Uhr am Check in auftauchten, saßen die anderen bereits zur Einstimmung vor einem Monitor und erfuhren Wissenswertes über die größten Säugetiere unserer Erde.

 

Sonnenaufgang am Pazifik

 

30 Minuten später kam dann endlich das „Go“ und los ging‘s. Wir wurden zum Pier gefahren und bestiegen erwartungsvoll einen High-Speed-Katamaran. Das Dröhnen der kraftvollen Motoren war das Startsignal für den Ritt auf den Wellen hinaus in das Revier der Pottwale. Der erste Stopp war nur eine Enttäuschung. Kein einziger Gigant war zu sehen. Der Kapitän, ein Maori, versuchte dann mit einem Unterwassermikro, das er an einem langen Stab befestigt hatte, die Wale zu orten. Bei jedem Stopp wurden unsere Gesichter immer länger und hatten mittlerweile fast das Ausmaß des Mikrostabes. Etwas weiter hatte ich einen im Ozean treibenden Baumstamm im Visier. Als nach einigen Minuten der dunkle Stamm eine Fontäne ausstieß, kannte der Jubel keine Grenzen. Jetzt taucht er gleich in die Tiefe und seine Fluke wird zum Abschied winken.

 

Fluke des Pottwales

 

Diesen Zeitpunkt darf der Fotoenthusiast nicht verpassen, aber bei der Trägheit der Kamera ein schwieriges Unterfangen. Glück, alter Schwede, Du hast’s nicht verpennt. Jetzt taucht der Zahnwal etwa 45 Minuten zur Nahrungssuche in die Tiefe und wird hoffentlich seine Lieblingsspeise, den Riesenkalmar, finden.

Übrigens, hätten wir keinen Pottwal zu Gesicht bekommen, wären 80% des Ticketpreises an uns zurück geflossen. Also leistungsabhängiges Gehalt bewirkt oftmals Wunder und wäre auch für manch‘ deutschen Beamten sicherlich förderlich.

Wesentlich schneller konnte unser Maori-Käpt’n eine Schule von Dusky-Delphinen orten. Es ist schon ein Vergnügen, diesen verspielten ca. 1.80 m großen Geschöpfen zusehen zu dürfen. Mit Mehrfach-Überschlägen gewinnen sie unsere Sympathie und lassen unser Herz höher schlagen. Dennoch werde ich den Verdacht nicht los, dass hier ein Lehrer Pate gestanden hat…

 

Duski-Delphin-Überschlag

 

Pancakes – Pfannkuchenfelsen der steinernden Art

Uns hätte das Herz geblutet, wären wir wegen des wechselnden Wetters nicht nach Punakaiki gefahren. Den ersten Regen während unserer Reise erlebten wir Gott sei Dank in der Nacht. Es schüttete gewaltig. Doch am Morgen vertrieb der Wind die Wolken.  Schon die Küstenstraße von Greymounth aus dorthin glänzt mit einer dramatischen Kulisse. Im Ozean stehen Felsengebilde, an denen sich die gewaltigen Wellen brechen. Durch die oft feuchte Witterung entstand hier subtropischer Urwald mit dem Markenzeichen der zahlreichen Nikau-Palmen.  An den Pancakes selbst führt ein beeindruckender Rundweg (45 Min. mit Fotostopps) entlang. Kalksedimente und Tonmineralien, vor Jahrmillionen übereinandergeschichtet, werden von Wellen und Wind bearbeitet und dank der verschiedenen Materialien erodieren sie unterschiedlich. Das Ergebnis sind die „Berliner“, auf die aber jemand getreten sein muss, so platt sind sie. Die Tasman Sea mit ihrer Urgewalt höhlt unter donnerndem Getöse die Gebilde aus und schafft so  blowholes, aus denen die Gischt meterhoch empor zischt. Voraussetzung für dieses Schauspiel sind zwei Dinge: eine High-Tide und starker Seegang. Leider verweigerte sich die Tasman Sea als wir dort weilten. Aber auch so ist diese Landschaft ein Muss. Wir zogen weiter über Hokitika, schlechthin die Stadt der Jade. 9 km weiter liegt der Lake Mahinapua, wo man sein Nachtquartier nicht besser betten könnte und dazu noch kostenlos. Bis zu unserem heutigen Ziel dem „Franz Josef Glacier“ waren es dann doch noch reichlich Kilometer, aber der SH 6 bietet viel Interessantes.

 

Pancackes an der Westcoast

 

Franz Josef Glacier – dem Kaiser auf die Krone geflogen

Am Abend zuvor hatten wir auf dem Campsite noch schnell einen Helikopter Rundflug über den Franz Josef Glacier gebucht. Nur gut, denn am nächsten Morgen prasselte die Sonne. Kaiserwetter und Kaiser Franz Josef – das passt doch irgendwie zusammen. Also hin zur Basis und ab ging‘s in die Lüfte. Wir waren noch nie mit einem Heli geflogen und somit wirklich sehr gespannt. Entweder war Regines Lächeln so hinreißend oder wir hatten einfach nur Glück, denn wir durften beide neben dem Piloten Platz nehmen. Es ist schon ein  unglaubliches Gefühl vom Boden langsam abzuheben. Wir kamen uns vor als säßen wir in einem Spielzeug-Hubschrauber.

 

Helicopter-Flug zum Gletscher

 

Und jetzt begann großes Kino. Der sehr junge Pilot steuerte den Heli die Gletscherzunge hinauf. Wir tauchten kurz in ein paar Wölkchen ein. Als wir wieder auftauchten erblickten wir ein grandioses Panorama. Wow! Vor uns lag die Gruppe der drei bekanntesten Glaciers: Franz Josef, rechts daneben der Fox und etwas dahinter der legendäre Mount Cook, Neuseelands höchster Gipfel. Einfach atemberaubend.

Wir landeten auf dem Franz Josef mitten im ewigen Eis mit einer Bühne, die film-reif ist. Als der Pilot uns fragte, wie es uns denn gefallen hätte, sagten wir kurzerhand, dass wir den letzten Heli zum Rückflug nehmen wollten. Ein lächelndes Kopfschütteln von ihm zeigte, dass er die Antwort verstanden hatte.

 

Franz Josef Gletzscher 

Zurück ließ es sich der junge Pilot nicht nehmen und flog knapp an den bewaldeten Felsengruppen entlang. Auch die von ihm inszenierte Schaukelei gehörte zur Show. Wir waren uns einig: Das Geld war für die 30 Minuten wirklich gut angelegt.

Gegen Mittag ging es dann auf dem SH6 zum Wanaka Lake, wo wir unseren Herbert auf einem wunderschönen DOC-Campingplatz parkten.

 

Queenstown – Adrenalin pur   

Die wahre Freude ist die Fahrt Richtung Queenstown. Wir nahmen die Route über die Crown Range (89), mit 1200 m der höchste Pass Neuseelands. Ein schwindelerregender Blick gibt die Sicht frei auf das Tal des Wakatipu-Sees, die Kararau-Schlucht und den Lake Hayes. Serpentinen prägen die Abfahrt ins Tal. Herbert stöhnte ab und zu auf dieser kurvenreichen Traumstrecke, nahm es aber doch gelassen hin.

 

Crown Range Pass

 

In Queenstown – die Adrenalin-City schlecht hin –  rückten wir in den Holiday Top 10 Park ein und waren überrascht  über Lage und Qualität. Meine Frau gab ihm die Note 1. Preisintensiv ist dieses Zentrum der Verrückten allemal, denn überall locken gepfefferte Offerten. Wir wollten wieder in die Lüfte und buchten Tandem-Hang-Gliding. Uns war schon recht mulmig, war es doch das erste Mal in unserem Leben. Wir wurden per Auto abgeholt und zum Coronet Peak hochgefahren. Dort angekommen dachte ich, schaust du dir die Absprungpiste an oder nicht? Ich konnte mich überwinden und ging vor zum Absprung. Nur gut, denn es war wirklich keine Klippe wie in mancher Shampoo-Werbung, sondern es ging moderat bergab. Als erste musste Regine ran – sie wollte die Augen beim Anlaufen schließen – und ab ging’s in die Lüfte. Problemlos gleitete sie mit ihrem Piloten dahin. Das gab auch mir Mut und ich rannte, was das Zeug hielt, vor meinem Piloten her. Alsbald hoben wir ab und gewannen schnell an Höhe. Riesig! Ein tolles Gefühl mit fremden Flügeln an einem Berghang dahin zu schweben.

 

 Tandem Hang Gliding

 

 Petr steuerte unser Gefährt immer so, dass wir Regine und Jan immer mal kreuzten – natürlich ein paar Meter über ihnen. Es waren 15 wunderbare Minuten und in keiner Phase hatte ich irgendwelche Bedenken. Im Gegenteil, Petr schien zu spüren, dass es mir viel Freude macht und ließ nun die Sau raus. Wir schaukelten jetzt von links nach rechts und hatten beide jede Menge  Spaß daran. Von 1600m Höhe langsam wie ein Albatros zu gleiten ist schon ein tolles Gefühl. Die Landung klappte problemlos und es wird wohl nicht das letzte Mal gewesen sein auf diese Art unterwegs zu sein.

Am Morgen fuhren wir zum Shot-River. Hier liegt das Eldorado der knallroten Jet Boats und ihrer nach Nervenkitzel hungrigen Gäste.  Das Geräusch eines Hornissenschwarms kündigt die über 60 km/h dahin jagenden Boote an. Nur wenige Zentimeter an den Felswänden vorbei und urplötzlich den Jet herumreißend, beeindruckt der Pilot seine Mannschaft. Wer da ein schwaches Nervenkostüm hat oder kein Vertrauen zum Steuermann aufbauen kann, der sollte diesen Kick lieber auslassen. Ganz billig ist die Sache nicht, aber wenn man den Bootspreis (115.000,- Dollar) kennt, dann verwundert dies nicht. Wie das Bungeespringen so ist auch das Jet Boat in Neuseeland geboren worden.

 

Queenstown - Jetboat fahren

 

 Dunedin – eine schottische Stadt und  Pinguine, Königsalbatrosse auf der Halbinsel  Otago

Was war denn das? Regen am Morgen, das hatten wir doch die ganzen 2,5 Wochen nicht. Da passte es gut, auf die Peninsula Otago zu fahren, um dort die Gelbaugenpinguine und die grandiosesten Segler der Welt, die Royal Albatrosse, zu beobachten. Wir hatten eine Tour mit dem Department of Conservation – eine Organisation, die sich dem Schutz der Natur verschrieben hat – gebucht und fuhren mit einem abenteuerlichen Kleinbus ins Schutzgebiet. Als wir ausstiegen fühlte ich mich in meine Armeezeit zurück versetzt, denn überdachte Schützengräben taten sich vor uns auf. Dass die Dinger auch etwas Gutes haben könnten, hätte ich nicht für möglich gehalten, aber hier sind sie sinnvoll, denn die Besucher können getarnt den aufrechten uns Menschen ähnlichen Watschelgang der 65 cm großen Vögel genießen. Wir hatten Glück und sahen auch Jungtiere.

 

Gelbaugenpinguine

 

Die waren auch etwas weiter auf Taiaroa, der Spitze der Halbinsel, bei den Albatross-Paaren (Schlüpfzeit Januar/Februar) zu sehen. Das Gebiet dort ist hermetisch abgeriegelt. Man will damit in erster Linie die bis zu einer Spannweite von 3 m großen Vögel vor Katzen, Hunden, Ratten und Possums schützen.  Die Kolonie umfasst ca. 150 Vögel. Nirgendwo sonst auf unseren Planeten nisten die Royal Albatrosse so nah zu uns Menschen wie auf Taiaroa Head. Die meiste Zeit verbringen sie auf See und von hier fliegen die wohl größten Seevögel der Welt bevorzugt nach Südamerika, weil dort der Fischbestand sehr hoch ist. Und nun ratet mal, wie viel Tage sie dazu brauchen?  Man glaubt es nicht – ganze 8 bis 10 Tage…

 

Albatros mit Nachwuchs

 

Am Nachmittag ging‘s dann zum Dunedin Railway Station, dem wohl schönsten Bahnhof der Welt. Der in Lebkuchenarchitektur errichtete und innen mit Porzellanmosaiken, die eine Lok abbilden, verzierte Bahnhof ist wahrlich eine Augenweite.

 

Dunedin - schönster Bahnhof der Welt

Züge verkehren zwar nur selten, aber der „Taieri Gorge Railway“, ein Erlebniszug, macht hier Station.

 

Dunedin - Bahnhofshalle

 

Station machten hier vor über 150 Jahren die Schotten, die diese Stadt gründeten. Wir hatten das Vergnügen am Octagon, ein grüner achteckiger Platz, den Wettstreit einiger  Dudelsack-Formationen zu erleben.

Zwischen Dunedin und Christchurch – Tunnel Beach und Moeraki Boulders

Good Morning! Wow, die Sonne lacht wieder, der starke Wind hat die Wolken über Nacht vertrieben.  Auf zum „Tunnel Beach“ (südlich von Dunedin), wo uns ein besonders beeindruckter Küstenabschnitt erwartetete. Da hatte doch ein gut betuchter Mann namens Cargill eine Vision. Er wollte, dass seine holde Weiblichkeit trockenen Fußes zu einem von steilen pittoresken Felsen umrahmten Traum-Sandstrand gelangen konnte. So ließ er 75 Treppenstufen (Regine hat diese gezählt) in einen Schlund bauen und konnte damit die Damen beeindrucken.

 

75 Stufen zur Glückseeligkeit

 

Was er dann dort getrieben hat entzieht sich unserer Kenntnis. Nur ewig durften die süßen Schmusestunden nicht dauern, denn die kommende Flut schloss dann den einzigen Rückweg.

 

Traumstrand erreichbat nur bei Ebbe

 

In Richtung Oamaru – Mann, wie ich diese Ortsnamen liebe – am Strand von Moeraki liegen viele riesige Steinkugeln herum. Das Meer spülte sie aus den Uferböschungen heraus. Wie man sagt, seien sie vor Millionen Jahren auf dem Meeresgrund durch chemische Zersetzungsprozesse entstanden. Mit kindlicher Phantasie kann man sich durchaus vorstellen, dass hier einmal Riesen lebten, die um sich die Zeit zu vertreiben am Strand mit den Kugeln Bowling spielten. Die Riesen sind längst ausgestorben, die riesigen Kugeln aber liegen noch…

 

Moeraki Boulders

 

Christchurch – eine Stadt bebt

Nun war es doch soweit, unsere letzten Tage standen vor der Tür und wir trafen in der Stadt ein, der man das englische Gesicht nachsagt. Und tatsächlich die neogotische Kathedrale offenbart dies geradezu deutlich. Christchurch hat sich ein grünes Gewand angelegt und glänzt mit Gärten und Parks. Die Vorgärten vor den Holzhäusern sind eine Augenweide. Wer Lust zur Romantik verspürt, kann sich sogar von einem Gondoliere über den Avon-River schippern lassen.

 

Christ Church Cathedral

 

Natürlich gehört zu jeder Stadt eine Shoppingmeile und wenn’s ans Abreisen geht, dann ist oftmals die Zeit der Mitbringsel gekommen. Vorher hat man die Gleichen schon zig-mal gesehen, aber immer wieder verworfen, es könnte ja noch besser und preiswerter kommen. Nun aber schlug die Stunde des Zugreifens. Endlich wurden der neuseeländische Jadeschmuck und die Maori-Masken erworben. Schließlich will man doch zu Hause eine bleibende Erinnerung an diese Traumreise haben und seinen Kindern etwas mitbringen. Nach all den „Anstrengungen“ kehrten wir abends in einem indischen Restaurant ein. Propre voll und erstklassisches Dinner.

Nach einem Stadtbummel am Vormittag wollten wir nach Akaroa, dem netten kleinen blumengesäumten Städtchen mit der lieblichen Uferstraße fahren. Als wir ca. 400 m von der Christ Church Cathedral  Richtung Süden fuhren, fing Herbert urplötzlich an wie ein Rodeo-Pferd auszuschlagen (22.Februar 2011, 12:51 Uhr). Von rechts nach links, von links nach rechts schwankte er dermaßen – wir hatten Angst er kippt um -, dass ich ihn nur mit allergrößter Mühe in Zaum halten konnte.  Ich kam mir vor wie auf hoher See. Wie ein Blitz durchfuhr es mich, ich dachte alle vier Räder seien nacheinander geplatzt oder ist es soweit, dass ich die Hauptrolle in dem Film „Mein Infarkt“ spielen muss? Als Regine und ich die anderen Autos ebenso stark schwankend sahen und die ersten Steine der Häuser auf die Straße stürzten, wussten wir augenblicklich: hier bebt die Erde – aber gewaltig! 

 

 Christchurch - noch steht das Lagerhaus

 

Jetzt nur eins: weg von Gebäuden und Bäumen, dann augenblicklich stoppen. Als wir links einen einigermaßen „sicheren Platz“ gefunden hatten, mussten wir kreidebleich mit ansehen, wie aus den vielen Rissen im Straßenbelag das Wasser herausschoss. Von einem älteren Gebäude fielen Teile des Dachgeschosses nach unten, Bäume schwankten und die Straßen waren augenblicklich mit Schlammwasser bedeckt. Es war ein Horrorszenario. 

 

 Christchurch - Strassen unterhöhlt

 

Chaos überall. Sirenengeheul erfüllte die Stadt. Wir waren schockiert und ratlos. So blitzartig das Beben kam, so schnell war es zu Ende.  Wir fuhren langsam weiter, wollten raus aus der Stadt. Verwüstung, wohin man schaute. Überall waren Straßen überschwemmt, Mauern eingestürzt und Dächer zusammen gebrochen. Doch die Menschen verhielten sich besinnlich. Erstaunlich. Man merkte irgendwie, die Leute scheinen diese Ausnahmesituation nicht das erste Mal erlebt zu haben…

 

Christchurch - Erdbebenschäden

 

An einer Tankstelle fragten wir einen Kiwi um Rat. Weiter in Richtung der Halbinsel Akaroa oder umdrehen und zurück nach Christchurch auf dem Top 10 Holiday Park fahren. Er riet uns zurück zu fahren. Wir brauchten für 6 km knapp 3 Stunden. Fast alle Geschäfte und alle Tankstellen waren wegen Stromausfall geschlossen. In den kleinen Geschäften roch es schon unangenehm. Immer wieder sahen wir Steinschutt auf den Straßen und Löcher im Asphalt. Ein großes Haus aus Ziegel hatte den Dachbereich verloren und die Außenwände schienen jeden Moment einzustürzen. Es war der blanke Horror.

 Da wir am Nachmittag eigentlich groß einkaufen wollten, waren unsere Vorräte erschöpft. Sei’s drum morgen früh ziehen wir den nachmittäglichen Kaffee mit Keks eben vor. Nur gut, wir haben noch etwas Gas für restliche Nudeln und geizen damit wie die Schotten.

Im Internet erfuhren wir am Abend: mindestens 70 Menschen tot, 300 vermisst, das Beben hatte auf der Skala einen Wert von 6,3 und der Turm der Cathedrale, den wir 30 Minuten vor dem Beben fotografierten, ist eingestürzt. Ausnahmezustand, Sperrung des Airports und der Innenstadt waren nur logische Folgen. Zur Ruhe kamen wir diese Nacht nicht, denn immer wieder gab es Nachbeben mit unterschiedlichen Stärken.

Am nächsten Morgen überall Menschen mit hängenden Gesichtern, keiner wusste wie es weiter geht. Alles versammelte sich vor dem Fernseher und verfolgte gespannt die News und Bilder. Alle, die wie wir da im Campground standen, hatten eines: eine Riesenportion Glück. Wenn wir bedenken, dass wir 12:46 Uhr am Vortag noch unseren Camper von der Colombo-Street wegfuhren und diese nach dem Beben 12:53 Uhr einer Katastrophe glich, dann hatten wir wohl wirklich nicht nur einen Schutzengel zur Seite…

Am Nachmittag beschlossen wir, die kurze Stecke zum Pazifik zu nehmen.  

 

Christchurch - Kiwis und ihre Autos 

Als wir 900 m vor dem Strand Autos im Asphalt stecken sahen, wollten wir umdrehen und steckten urplötzlich selbst mit dem Hinterrad im Belag. Viele Stellen unter der Straße waren ausgehöhlt, man sah es einfach nicht.

 

Christchurch - unser Camper sitzt fest

 

Wir ärgerten uns über unsere Dummheit, denn die zahlreichen Nachbeben hatten nochmals den Fahrspuren enorm zugesetzt.  Da kam uns überraschend ein freundlicher Kiwi zu Hilfe und zog uns mit seinem Jeep aus dem Schlamassel. Danke.

Daraufhin beschlossen wir, zeitig am nächsten Morgen zum Airport zu fahren, denn wer weiß über welche Straßen die 10 km dahin führen.  Wir hatten zwar Abenteuer gebucht, aber das war dann doch zu viel. In einem Fernsehbericht sprach ein Betroffener und sagte: “Was ist schon der Verlust meines Hauses, in der Nebenstrasse hat ein Mensch sein Leben verloren.”  Wir nahmen uns vor, das Glück was uns zuteil wurde, den Menschen in Christchurch wenigstens in Form von Spenden zurück zu geben.

Glücklich und ohne Pannen kamen wir am Airport an. Die Camper-Übergabe klappte problemlos und ging zügig vonstatten. Wir verabschiedeten uns vom gutmütigen Herbert, der uns trotz seines hohen Alters gute Dienste geleistet hatte. Dann ging’s mit „Emirates“ endlich und für uns bei diesen chaotischen Verhältnissen kaum vorstellbar nach Sydney, doch das ist eine weitere Geschichte.

Epilog

Unsere hohen Erwartungen von Aotearoa – dem Land der weißen Wolke – wurden bei weitem noch übertroffen.    Wir hatten uns vorgenommen, einmal im Leben ans  “Ende der Welt“ zu reisen und die liebliche zugleich raue  Schönheit des Landes hautnah zu erleben. So vielfältig die Natur diese beiden Inseln gestaltet hat, so breit ist die Palette der Aktivitäts-Offerten. Traumstrände wechseln sich ab mit wilden rauen Küsten, üppige Regenwälder werden von Gletschern aufgerissen und Seenlandschaften sind so lieblich wie die Fjorde imposant sind. Neuseeland ist aber auch ein Land, das seinen Gästen vielfältige Möglichkeiten der Betätigung bietet. Für Nervenkitzel ist beim Bungeespringen, Jetboatfahren, Diving oder Paragliding gesorgt. Wer es gemütlicher mag, der kommt beim Wandern, Kajakfahren, Fishing oder Sonnenbaden bestimmt auf seine Kosten.  Auch sonst verläuft das Leben hier in ruhigeren Bahnen. Genau unser Ding! 

Wenn man uns fragen würde, ob sich ein Besuch Neuseelands lohnt, dann würden wir sicherlich uneingeschränkt diese Frage mit ja beantworten. Ich denke, dass haben Sie beim Lesen des Berichtes mit Sicherheit gespürt. Für diejenigen, die vielleicht eine derartige Reise planen sollten, folgen noch ein paar Tipps:

 

 

Kiwi normal 

Tipps:

  • Wir haben Flug, Camper und Fähre über die Reiseagentuer “Australia Travelteam” in München (Telefon: 08142/580031) gebucht und waren mit Preis und Leistung vollauf zufrieden. Selbst in Christchurch nach dem Beben hat man uns mit Infos und Ratschlägen versorgt, was man von anderen Reisebüros nicht eben sagen konnte.
  • Beste Reisezeit sind Januar und Februar. Man sollte mindestens vier Wochen für beide Inseln einplanen. Heben Sie pro Insel immer einen Tag für eventuelle Zwischenfälle auf. Es muss ja nicht immer gleich ein “earthquake” sein.
  • Planen Sie Ihre Tour so, dass pro Tag max. 200km zwischen zwei Attraktionen liegen, sonst sind die Höhepunkte nur schwarzer flimmernder Asphalt und nicht die wunderschöne, abwechslungsreiche Natur.
  • Mit den Übernachtungen hielten wir es so: Alle zwei Tage suchten wir einen “Top 10 Holiday Park” (Membercard 10% Rabatt) auf, die über ausgezeichneten Komfort verfügen. Die andere Zeit nutzten wir Stellplätze am Meer, Wald oder auf Parkplätzen.
  • Kreditkarten oder EC-Karten sind in Neuseeland an Bankautomaten nutzbar. Es ist jedoch ratsam, auch etwas Bargeld (NSD) dabei zu haben. Wir waren froh, nach dem Erdbeben mit Chash bezahlen zu können. Mit Cards hatte man an stromlosen Kassen schlechte Karten.
  • Es ist absolut ratsam ein Navi mitzunehmen und sich in Neuseeland einen Internetstick bzw. eine “Prepaid Mobil Broadband Kit” zuzulegen. Wir hatten das Paket für 99,-NSD bei “Telecom” erworben. Das Paket beinhaltet 30,-NSD für die Volumendaten und das ist für vier Wochen im Normalfall völlig ausreichend.  Überraschenderweise hatten wir auf all unseren Stationen  Empfang (in der Wildnis nicht!). Mit Hilfe der e-mail kann man Attraktionen oder Campsite vorbuchen.
  • Dumpen ist grundsätzlich an Tankstellen möglich. Wir haben oft bei “Pack’n and Save” preiswert eingekauft und uns immer einen Petrol-Discount für BP oder andere aushändigen lassen.

Sollten Sie Fragen haben oder weitere Tipps benötigen, dann sind wir gern bereit zu helfen. Falls unser Reisebericht Ihnen gefallen hat, würden wir uns über ein Feedback freuen.