
Wenn die eigene Frau den Wunsch hat, den Urlaub einmal aktiv in Form einer Fahrrad-Tour entlang der Donau zu gestalten, dann stellte sich die Frage: Die Tour organisiert anzugehen und den bequemen Koffertransport von Pension zu Pension in Anspruch zu nehmen oder selbst etwas auf die Beine zu stellen? Schnell war klar, den Urlaub nach eigener Fasson – ein Hauch von Abenteuer überkam uns – also individuell zu gestalten. „Aber wie dann mit dem ganzen Gepäck so eine Rad-Tour bewältigen?“, fragte sie mich verblüfft. Schwitzend sah ich mich schon wie in meiner Schulzeit, als ich auf dem Leipziger Hauptbahnhof den Gepäckträger für ein paar Mäuse spielte, Beauty-Case und Koffer durch die Kante schleppen. „Sieh mal“, kam es mit über die Lippen, „erstens wollen wir nicht zum Opernball nach Wien und zweitens soll der Weg doch unser Ziel sein. Also müssen einfach Zweck-Klamotten für Sonnen- aber auch für Regentage, und die im Zwiebel-Prinzip getragen, genügen.“
Flugs kaufte ich zwei regensichere Fahrradtaschen und dort verstauten wir später unsere Sachen; Regine hatte noch die etwas ältere Taschenkombination vom Discounter. Nach dem Türken-Koffer-Prinzip kamen T-Shirts, Hosen, Turnschuhe, Regencapes, Waschzeug etc. sortiert in verschiedene Plastebeutel, so dass wir in den Quartieren nur die einzelnen Beutel aus den Taschen ziehen mussten und damit einigermaßen übersichtlich ablegen konnten. Mit der Zeit bekommt man da Routine und das lästige Suchen entfällt. Auch was die Übernachtungen betraf, wollten wir nicht unnötige Zeit mit ewigen Suchen verbringen – oft bleiben nur die schlechten oder teueren Schlafstätten übrig – und so graste ich das Internet nach Reiseberichten zum Donau-Radweg ab. Recht schnell kristallisierten sich die besten Quartiere (s.u.) heraus. Per Mail wurden dann die Übernachtungen fix gemacht.
Als ich die zu radelnden Kilometer addierte, kamen doch leichte Zweifel auf, ob wir die 350 km auch problemlos schaffen würden. So eine lange Tour hatten wir noch nie mit dem Drahtesel absolviert. Den Spruch vom Urologen Irwin Goldstein vor Augen: „Es gibt nur zwei Sorten männlicher Radfahrer – die einen sind impotent, die anderen werden es.“, kaufte ich mir umgehend einen neuen Sattel. Das innovative Stück besteht aus zwei verstellbaren Teilstücken, die nebeneinander in einem Winkel von zirka 20° angeordnet sind und dafür sorgen, dass unser bestes Stück und der Dammbereich auch nach vielen Kilometern gut durchblutet werden. Auf den ersten Kilometern kam ich mir vor wie beim Rodeo, sitzend auf einem elektrischen Bullen. Jeder Tritt in die Pedale bewirkte ein Schwingen des beweglich gelagerten Sattels. Ich hatte Mühe, das Gleichgewicht zu halten, um nicht vom “Bullen” abgeworfen zu werden. An ein freihändiges Radfahren war erst gar nicht zu denken. Aber wie im richtigen Leben biss ich die Zähne zusammen und nach und nach gewöhnte ich mich an das ungewohnte Teil.

Erste Station war die Drei-Flüsse-Stadt Passau. Dank eines sehr netten und hilfsbereiten Meeresanglers, den ich über das „Norwegische Angelforum“ per Internet kennen gelernt hatte, genossen wir eine individuelle Stadtrundfahrt par Exelence. Der gebürtige Passauer zeigte uns neben dem „Stephans-Dom“ mit der weltgrößten Dom-Orgel, das wunderschöne Rathaus-Ensemble und nicht zuletzt das italienische anmutende Flair der alten Häusergassen. Vom Oberhaus hatten wir bei strahlendem Sonnenschein einen herrlichen Blick auf die Altstadt des „Venedig Bayerns“. Den tollen Einstand ließen wir in einem Biergarten mit eigener Brauerei oben neben der Veste bei einer zünftigen Brotzeit mit Weizenbier ausklingen. Für Stimmung sorgte dort ein junger Mann in Stöckelschuhen und Damenrock, der die amüsierten Gäste bediente. Vor lauter Lachen vergaßen wir leider auf den Auslöser der Kamera zu drücken. Übernachtet wurde in der ruhig gelegenen „Pension Gabriele“, die neu renoviert einen sehr guten Eindruck hinterlassen hat. 
Nach einem ausgiebigen Frühstück (Buffet) wurden die Fahrradtaschen montiert und ab ging’s bei Sonnenschein entlang des linken Donauufers in Richtung Wesenufer. Wir hatten die Anfangstrecke mit Bedacht etwas kurz gewählt (35km), um uns so richtig einradeln zu können. Über Obernzell und Kramesau – die Donau immer im Blick – rollten wir bereits am frühen Nachmittag in Wesenufer ein. Die Pension Feiken überraschte uns mit einem fürstlichen Panorama-Zimmer, das den Blick direkt auf den Fluss frei gibt. Offenbar hat der Besitzer ein Fabel für Radfahrer, denn es gab neben dem sehr günstigen Preis noch einen 1,- € Rabatt für den Drahtesel. Die Zeit nutzend, fuhren wir auf Empfehlung des Hausherren nach Schlögen zur Donauschlinge. Er legte uns den „Schlögener Blick“ ans Herz, der an einem Berghang liegt. Nach einem vierzig minütigen Anstieg wurden wir mit einer traumhaften Aussicht belohnt. Majestätisch schlängelt sich an dieser Stelle die “Grande Dame” um eine bewaldete Erhebung herum.
Heute weckte uns das Handy zeitig, denn wir hatten mit 80km unsere längste Etappe vor uns. Wir wechselten auf die rechte Seite und erlebten bei Inzell einen romantischen Ententeich namens Donau. In sehr waldreicher Gegend – die Räder rollten wie von einem virtuellen Motor angetrieben – war es uns, als wolle der Fluss ein wenig pausieren. So schön dieser Streckenabschnitt auch war, hinter Aschach änderte sich die Landschaft abrupt und neben dem Fahrradweg kam uns auf einer Bundesstrasse eine lärmende Blechlawine entgegen. Es gab nur eine Devise: Durch und in die Pedalen treten wie einst Friedensfahrt-Idol Täve Schur. Nach Linz wurde es endlich besser. Als wir bei schwülem Wetter in Abwinden beim Radlwirt vom Rad stiegen, waren wir so platt wie ein poröser Fahrradschlauch. Jetzt hieß die Devise: Duschen und ein großes kühles Bier vom Fass.
Kühl und bewölkt zeigte sich das Wetter am nächsten Morgen. Nur gut, dass wir die Fahrrad-Capes besorgt hatten. Nach dem Genuss von großen köstlichen Erdbeeren, die einige Kilometer hinter Abwinden angebaut werden, zürnte Petrus mit uns und ließ es wenige Stunden leicht regnen. Das trübte die Stimmung kaum, denn ab Au wurde die Landschaft wieder abwechslungsreicher und über Wallsee näherten wir uns dem sagenumwogenen Strudengau.
Bei der malerischen Ortschaft Grein wird aus der sonst gutmütigen alten Dame eine wirbelnde Furie, die Schiffreisende manch Stoßgebet gen Himmel schicken ließ. Der bezaubernde Ort selbst hat viel zu bieten. Neben dem Rokokotheater beinhaltet die Greinburg ein sehenswertes Schifffahrtsmuseum. Von dort oben hat man einen schönen Blick auf Stadt und Fluss. Für Gourmets möchten wir das Hotel „Goldenes Kreuz“ empfehlen. Dort gibt es einen erstklassigen Tafelspitz mit Kren, den der Koch selbst am Tisch serviert, und der mit 9,80 € einem fast geschenkt wird.
Am nächsten Morgen schien die Sonne. Nicht nur dieser Umstand ließ uns den richtigen Tritt in Richtung Wachau finden; den Takt dazu lieferte der nette Herbergsvater, der beim Frühstück mit seinem Akkordeon unter den Gästen für Stimmung sorgte.
In Grein nahmen wir die Fähre und radelten auf der rechten Seite über St. Nikola, Ybbs nach Melk. In Wallenbach schweifte der Blick über die Donau hoch zur idyllisch gelegenen Wallfahrtskirche „Maria Taferl“. Wir hätten gern dort der mechanischen Krippe einen Besuch abgestattet, leider hatten unsere Kniegelenke etwas dagegen. Ein Muss hingegen ist das prachtvolle Barockstift Melk mit seiner weltberühmten Bibliothek. Aber auch der angrenzende Landschaftspark fasziniert den Besucher.
Nach Melk wechselten wir auf die linke Donauseite und betraten damit das 33km lange Weltkulturerbe Wachau. Für uns der Höhepunkt unserer Tour, denn der Charakter dieser kontrastreichen Natur ist einmalig. Edle Reben gedeihen auf den so typischen Urgesteinsterrassen unterbrochen von mittelalterlichen Weinorten wie Spitz. Tagesziel war dort das Gästehaus Dantzinger, wo wir während der gesamten Reise im passenden Ambiente ein Frühstück genießen durften, das seines Gleichen sucht. Als wir zum krönenden Abschluss den frisch gebackenen Marillenplunder genossen hatten, verfluchten wir das erste Mal unsere ollen Drahtesel, ein Fiaker wäre uns jetzt lieber gewesen.
Dennoch das Genießen ging weiter entlang der Weinstrasse Wachau, wenn auch auf andere Art. Über St. Michael mit der alten Wehrkirche – auf Schritt und Tritt begegnet man einem Hauch Vergangenheit -, den Weinort Weißenkirchen radelten wir durch die Weinberge nach Dürnstein. Dass Dürnstein die Perle der Wachau ist, schien sich herum gesprochen zu haben, denn wir hatten Mühe unsere Räder durch die engen Strassen zu schieben.
Dafür erfreuten wir uns an der Stiftkirche, dem Renaissanceschloss und vieler lieblicher Bauwerke des Weinortes. In Altenwörth überquerten wir die Donau und trafen am späten Nachmittag in Tulln ein. So schön die Stadt, so schlecht die auserwählte Unterkunft. Kurz entschlossen – es war Vatertag und dementsprechend ausgebucht die Pensionen – radelten wir weiter bis Greifenstein, wo wir in einer Villa, herrlich am Hang gelegen, Unterkunft fanden. Im alt-ehrwürdigen Ambiente – Hundertwasser war hier Stammgast – ruhten wir uns von der Mammuttour (90km) aus.
Am Abend ging’s zum Heurigen, der die letzte Woche „aus gesteckt is“ offen hatte. Dort stießen wir zufällig auf ein österreichisches Ehepaar, das uns unterwegs auf der Fahrradstrecke immer wieder zu gewunken hatte. Bei reichlich jungen Wein gewürzt mit einigen Anektoden wurde es tiefe Nacht als wir Villa Neuwirth erreichten.
Die im Heurigen angetrunkene Bettschwere sorgte dafür, dass wir später als gewohnt aufstanden. Als ich mich im Spiegel betrachtete, hatte ich den Eindruck, Hundertwasser würde mir entgegen blickten. Nach dem guten Kaffee von Frau Neuwirth verschwand das Spiegelbild. Die letzten 11km waren schnell herunter gespult, so dass wir am Vormittag in Klosterneuburg unsere Abschlussetappe beendeten. Quartier hatten wir direkt am Dom bezogen, der abends beleuchtet eindrucksvoll aus unserem Fenster zu beobachten war. Von hier aus starteten wir unsere Wien-Erkundungen mit der Bahn oder mit dem Bus. Wien – eine wahre Kulturstadt zum Schwärmen. Um es vorweg zu nehmen: Zwei Tage reichen nur, um einen Bruchteil der geschichtsträchtigen Metropole kennen zu lernen. Lassen wir deshalb die Bilder sprechen: 

Wien – eine Stadt zum Verlieben

Wien – eine Stadt der Persönlichkeiten

Wien – eine Stadt für Gaumenfreunde

Zum guten Schluss als Kurzfassung die einzelnen Stationen mit den Quartieren, der Kilometerangabe und den Preisen. Wir würden uns freuen, wenn dieser Reisebericht ein paar Tipps für die Gestaltung Ihrer Donau-Radwanderung geben konnte. Älteren Radlfahrer empfehlen wir ab und an ein Stück mit dem Schiff, Bus oder der Bahn zu fahren. Eben jeder nach seiner Fasson – die Möglichkeiten sind vielfältig.
Für uns war die über 354 Kilometer führende Rad-Tour ein besonderes Erlebnis und sicherlich nur ein Anfang, der Lust auf mehr macht…
Gern beantworten wir ihre Fragen (”rolandbischof@-t-online.de”)
- Passau, Pension Gabriele, Adalbert-Stifter-Straße 12, 94032 Passau (Haidenhof), T.0851/ 6446 ÜF 57,-€, Frühstücksbuffet, www.pension-gabriele.de, info@pension-gabriele.de
- Passau – Wesenufer: 38km+17km Hin- und Rückfahrt zur Schlögener Donauschlinge, Pension Feiken, Wiesenufer 65, 4085 Wesenufer, T. 7718/ 7506, ÜF 40,-€, Frühstücksbuffet, http://www.oberoesterreich.at/feiken, feiken@resi.at
- Wesenufer – Abwinden: 80km, Radlwirt, Abwinden-Dorf 7, 4222 Luftenberg, T.7237/2479, ÜF 50,-€, ausgiebiges Frühstück, http://www.radlwirt.at, michael.colli@radlwirt.at
- Abwinden – Grein: 49km, Privatzimmer Kloibhofer, Brucknerstr. 1, 4360 Grein, T.7268/ 378, ÜF 42,-€, ausgiebiges Frühstück, http://www.oberoesterreich.at/kloibhofer, ma.kloibhofer@aon.at
- Grein – Spitz: 70km, Gästehaus Datzinger, R.-Torgasse 13, 3620 Spitz, T.2713/2493, ÜF 52,-€ “first-class-Frühstück” (beste Frühstück der Tour!), http://www.tiscover.at/gaestehaus.datzinger, gaestehaus.datzinger@utanet.at
- Spitz – Greifenstein: 89km, Villa Neuwirth, Hadersfelderstraße 11, 3422 Greifenstein, T.2242/33589, ÜF 52,-€, http://www.tiscover.at/villa-neuwirth, villa-neuwirth@aon.at
- Greifenstein – Klosterneuburg: 11km, Fr. Urbanek, Hölzlgasse 4, A-3400 Klosterneuburg, T.02243/32373, ÜF 108,-€, erweitertes Frühstück, heidrun.urbanek@tele2.at
- Wien: Übernachtung Klosterneuburg, Bahn-/Busverbindung in der Nähe
- Rückfahrt Klosterneuburg – Passau 09:00 – 14:30 Uhr, Radbus ab Freizeitzentrum Happyland, Anmeldung erfolgt über Fr. Urbanek, Kosten: 74,-€ incl. Gepäck + Fahrrad